Spannung aus Wahrhaftigkeit

Die vierten Rigi-Literaturtage auf Rigi-Kaltbad, 6. - 8. September 2013

© Video: Silvia Götschi
Nicht nur dem warmen Spätsommerwetter geschuldet war der durchwegs erfreuliche Publikumsaufmarsch, der die jüngste Ausgabe des Zentralschweizer Literaturtreffens begleitete. Nach dem frischen Auftakt mit der kernigen Lyrik Felix Stöcklis, von Marlène Wirthner-Durrer in authentischem Nidwaldner-Idiom ausgesandt, ganz dem Federvieh gewidmet und kongenial begleitet von Rudolf Zemp, Flöten, und Joseph Bachmann, Akkordeon, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Sigi Arnold trug die Texte von Josef Vital Kopp vor, dem dieses Jahr die «Vernehmlassung» galt, den unheimlich anonymen «Nachbar» und die Jugenderinnerung «Die Kanzlei» – Grundlage des Podiums vom Sonntagmorgen, wo Pirmin Meier, Beatrice Eichmann-L. und M. Christian Graeff den Theologen, Gelehrten und Autor bis in alle Widersprüche hinein ausleuchteten, geschickt provoziert und dosiert von Hardy Ruoss. Ein Wortwechsel, der die Produktionsbedingungen grosser Literatur schlagartig erhellte und sich wohltuend vom Blabla literarischer TV-Runden abhob.

Die bewährte Verlagsrunde brachte die Begegnung mit zwei gewitzten Avantgardisten: Dieter Zwicky (edition pudelundpinscher) und Michael Fehr (Der gesunde Menschenversand), beide brillant Richtung spoken word rezitierend. In der Lyrik-Matinee vom Samstag kontrastierte Moderator Erwin Messmer einige eigene Zeilen mit den Beiträgen von Margrith Gössi-Bohren, Walter Schüpbach, Katharina Lanfranconi und Christoph Ferber, der polnische und russische Touristen-Poeten des 19.Jahrhunderts bzw. ihre gereimten Schweiz-Eindrücke übersetzt hat. Sieben GewinnerInnen des Kurzgeschichtenwettbewerbs zum Thema Sisyphos am Berg verwandelten später die Protestantische Kirche in ein konzentriertes Auditorium.

Einen Höhepunkt der festlichen Art stellte die Buchvernissage von Andreas Itens Erinnerungen «Keine Kuh in Berlin» dar, inspiriert begleitet vom Akkordeon Claudia Muffs, gefolgt von einer tropisch gestimmten Soiree in der Schwimmhalle, wo Daniel Mezger seine ironisch geschilderte Begegnung einer Städterfamilie mit dem Landleben erhallen liess, kräftig unterstützt von John Wolf Brennan und dem Alphornisten Arkady Shilkloper. Der Sonntagsspaziergang musste dann doch in den gemütlichen Chemineeraum im Edelweiss verlagert werden, wo Rahel Hefti und Martina Clavadetscher Einblick in ihre aktuellen Romane boten und Verena Stössinger mit einem Gourmet-Rezept einen würzigen Schlusspunkt setzte. Ein gehaltvolles, diversifiziertes und durchwegs spannungsvolles Programm fürwahr, das aufmerksam mitverfolgt wurde von einem wachsenden und ausdauernd dranbleibenden Publikum. Und ein schöner Erfolg der Bemühungen der drei Rigi-Frauen und des ISSV im OK. Weiter so!

Adrian Hürlimann, OK Rigi-Literaturtage
Pablo Haller liest in der Protestantischen Kirche auf Rigi-Kaltbad
Pablo Haller liest in der Protestantischen Kirche auf Rigi-Kaltbad. (Foto: Tibor Göröcs)