Resolution des Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellervereins ISSV zur Wiedereinführung des Bundesgesetzes über die Buchpreisbindung (BuPG)


Der Vorstand und die Mitglieder des Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellervereins ISSV sind besorgt über eine drohende dauerhafte Beschädigung der Arbeits- und Lebensumstände von Schweizer Autorinnen und Autoren. Sie erkennen ein neues Bundesgesetz über die Buchpreisbindung als Voraussetzung fairer und konstanter Verkaufspreise von Büchern und buchverwandten Medien an. Der ISSV erklärt sich solidarisch mit dem Engagement des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes SBVV, zahlreicher weiterer Verbände und der meisten Buchhändlerinnen und Buchhändler.

Im Mai 2007 kündigte der Bundesrat ohne Not die Vereinbarung zwischen Verlegern und Buchhändlern des deutschsprachigen Raums (Deutschland, Österreich, Deutschschweiz) zur Einhaltung der von den Verlagen verbindlich festgesetzten Buchverkaufspreise. Propagiert wurde entgegen negativen Erfahrungen anderer nationaler Märkte eine angebliche Verbilligung von Büchern durch einen preisungebundenen Markt. Das Gegenteil trat ein: Ein paar Bestseller wurden zwar günstiger angeboten; im Durchschnitt jedoch stiegen die Preise für die Mehrzahl der Schweizer und ausländischen Bücher an – gegen den Willen der Verlage und der AutorInnen!

Am 18. März 2011 beschloss das Parlament die Wiedereinführung eines Bundesgesetzes über die Buchpreisbindung (BuPG). Dagegen sammelte eine Initiative aus Jungpolitikern von SVP und FDP, unterstützt von Ex Libris, mit unrichtigen und die Realität verfälschenden populistischen Argumenten Unterschriften in der Bevölkerung, unter anderem im Migros-Magazin. Sie erhob im Juli 2011 ein Referendum gegen das neue Gesetz.

Am Sonntag, den 11. März 2012, werden die StimmbürgerInnen über die Einführung des BuPG abstimmen. Der Vorstand und die Mitglieder des ISSV unterstützen die Einführung des Gesetzes. Sie fordern eine klare, verständliche Kommunikation über die negativen Auswirkungen eines deregulierten Buchmarktes. Sie plädieren dafür, bei der Abstimmung mündig und offen für das Gesetz und für eine lebendige, vielfältige und demokratische Kulturlandschaft der Schweiz zu entscheiden und die Fragestellung um einen wesentlichen Punkt zu erweitern: Braucht unser Land in Zukunft noch unabhängige Autorinnen und Autoren und deren Verlage? Wir finden: JA!

Luzern, 2. Januar 2012
Vorstand und Mitgliederversammlung des ISSV
Andreas Iten, Präsident