Zur Abwechslung gibt’s eine Neutralitätsinitiative
Liebe Leute, wir haben unlängst mal wieder Papierpost erhalten. Nach kurzer Recherche bewahrheitet sich, was man instinktiv bereits gewusst hat: Das schöne Heft kommt überwiegend von wohlhabenden SVP-Parteimitgliedern, von gegenwärtigen und früheren CEOs und Financiers, von Militär- und Pharmakarrieristen.
»Kein Krieg!«, heisst es da in grossen Lettern. »JA zur bewaffneten (integralen) Schweizer Neutralität!«
Das weisse 16-seitige SVP-Heft mit der völlig unverschämt missbrauchten Friedenstaube in der Hand, fragt man sich wirklich nur einen flüchtigen Moment lang, was denn nun den Initianten der Initiative eigentlich wichtiger ist: KEIN Krieg oder eine absolute Schweizer Neutralität, bewaffnet, versteht sich (etwa wie zu den goldenen Zeiten eines Emil Bührle)? Wahrscheinlich ist es eher Letzteres; folglich die seit den 1940er-Jahren nach einer Daseinsberechtigung lechzende »Landesverteidigung« trotz aller Sinnlosigkeit bis auf die Zähne weiter zu bewaffnen, natürlich zur zukünftigen Sicherung der Profite für die Rüstungsindustrie sowie zur effektiven Verhinderung einer dem Schweizer Volk zugutekommenden geistigen, ökonomischen, ja soziokulturellen Entwicklung. Und ausserdem – weil im weiss daherkommenden und darum zunächst ganz unschuldig anmutenden SVP-Appell auch noch ausdrücklich in latinisiertem Kauderwelsch »integrale« Neutralität gefordert wird – soll nicht zuletzt bzw. zu allererst für eine verhältnismässig sehr geringe Zahl von Profiteuren ein grenzenloser Spielraum für ihr Grossunternehmertum geschaffen werden, sodass unsere business-freudige Wirtschaftselite künftig gänzlich ohne Mitentscheidungsrecht unseres wichtigsten Handelspartners – der EU – und, von schweizerischen Bundesgesetzen geschützt, völlig unreguliert selbst mit völkerrechtswidrig handelnden Unrechtsregimen lukrative Geschäfte aller Art tätigen kann.
Fazit: Wer so breitenwirksam mit Begriffen wie Neutralität und Sicherheit hausieren geht, hätte vielleicht zuerst die gellende Widersprüchlichkeit einer auf Krieg getrimmten, bewaffneten Neutralität hinterfragen sollen.
In diesem Sinne: Aso bissoguet, NEIN !
A. Solid Betschart