Die Komplexität der Gegenwart auf ein paar knappe Zeilen
verdichten: Das können nur wenige so präzise und poetisch
wie Matthias Gysel. Seine Mikrogedichte zeugen von Einfühl-
samkeit und Virtuosität, indem sie »das Leben rückwärts legen«
und es immer wieder möglich machen, »die Ränder / unserer
Zeit / zu falten«. So finden sich lyrische Kleinode »im Spalt
zwischen / zwei Träumen«.
Mit »Fingerspitzen aus Gold« sammelt Matthias Gysel seine Be-
obachtungen, wagt dabei »Blicke / zum Abgrund / hinauf«, um
nachts Silben und Leerzeichen zu deuten und so die Erkenntnis
zu gewinnen, dass »die Tage« immer wieder »ihr Wort« bre-
chen. Hier entwirft ein Meister der wenigen Worte »Schatten
gegen / das Licht«.